Migräne und Kopfschmerzen: Warum eine Ibuprofen das Problem nicht alleine löst
Migräne ist nicht einfach nur Kopfschmerz.
Viele Betroffene greifen bei Beschwerden schnell zu einer Tablette – und das ist auch völlig verständlich. Schmerzmittel können sehr hilfreich sein, wenn sie gezielt und gelegentlich eingesetzt werden.
Problematisch wird es jedoch, wenn sie zur Dauerlösung werden.
Denn wenn die eigentliche Ursache der Kopfschmerzen nicht angegangen wird, kann aus der gut gemeinten Hilfe ein neues Problem entstehen: der sogenannte Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK).
Das bedeutet:
Die Medikamente, die eigentlich gegen die Schmerzen helfen sollen, werden selbst zur Ursache für neue Kopfschmerzen.
Zusätzlich können häufig eingenommene Schmerzmittel Leber und Nieren belasten.
Deshalb ist es bei Migräne und auch bei Spannungskopfschmerzen wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern aktiv vorzubeugen.
Migräne verstehen: Der erste Schritt zur Verbesserung
Je besser du verstehst, was in deinem Körper passiert, desto besser kannst du damit umgehen.
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung.
Typisch sind:
- pulsierende Kopfschmerzen (oft einseitig)
- Übelkeit
- Licht- und Lärmempfindlichkeit
- manchmal eine sogenannte Aura etc.
Migräne tritt außerdem häufig familiär gehäuft auf. Bei etwa 80 % der Betroffenen gibt es auch Fälle in der Familie.
Die gute Nachricht:
Auch wenn Migräne nicht vollständig verschwindet, kannst du Häufigkeit, Schmerzstärke und deinen Umgang damit deutlich beeinflussen.
Migräne vorbeugen: Was du selbst tun kannst
Es gibt viele Möglichkeiten, wie du aktiv zur Vorbeugung beitragen kannst.
1. Eigene Migräne-Trigger erkennen
Beobachte, wann deine Migräne auftritt. Häufige Auslöser sind zum Beispiel:
- Stress
- Schlafmangel
- starke Blutzuckerschwankungen
- lange Bildschrimarbeit ohne ausreichend Pausen etc.
Wenn du deine persönlichen Trigger kennst, kannst du dein Verhalten entsprechend anpassen.
2. Eine Migräne-App nutzen
Eine gute Möglichkeit zur Selbstbeobachtung ist eine Migräne-App, zum Beispiel die App der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).
Damit kannst du dokumentieren:
- wie oft Migräneattacken auftreten
- welche Auslöser beteiligt sein könnten
- wie viele Schmerzmittel du einnimmst
- ob die Medikamente überhaupt helfen
Viele Menschen verlieren hier nämlich schnell den Überblick.
3. Regelmäßiger Schlaf
Schlaf spielt eine zentrale Rolle bei der Migräneprävention.
Die meisten Menschen benötigen 7–8 Stunden Schlaf pro Nacht.
Noch wichtiger ist jedoch ein regelmäßiger Schlafrhythmus.
4. Ausreichend trinken
Flüssigkeitsmangel kann Kopfschmerzen begünstigen.
Empfehlenswert sind:
- mindestens 2 Liter Wasser pro Tag
- bei Hitze oder Sport entsprechend mehr
- über den Tag verteilt trinken
5. Regelmäßige Bewegung
Schon tägliche Spaziergänge an der frischen Luft können helfen.
Besonders empfehlenswert ist moderates Ausdauertraining, zum Beispiel:
- Radfahren
- Schwimmen
- Walking
- Tanzen
- Crosstrainer
Regelmäßige Bewegung kann nachweislich helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
6. Entspannung für das Nervensystem
Stress ist einer der häufigsten Migräneauslöser.
Hilfreiche Methoden sind zum Beispiel:
- Autogenes Training
- Progressive Muskelrelaxation
- Atemübungen
- Yoga
Wichtig ist dabei die Regelmäßigkeit. Idealerweise täglich, mindestens jedoch einmal pro Woche.
Einmal üben und dann zwei Monate pausieren bringt leider meist wenig Effekt.
7. Entzündungsarme Ernährung
Migräne ist nicht nur ein Gefäßproblem, sondern auch mit Entzündungsprozessen im Körper verbunden.
Während der Aura-Phase sind die Gefäße eher verengt, während der Schmerzphase eher erweitert.
Eine antientzündliche Ernährung kann deshalb unterstützend wirken:
- möglichst frisch kochen
- stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
- Zucker möglichst einschränken
- viel Gemüse und Obst
- komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte
Das stabilisiert gleichzeitig den Blutzuckerspiegel, was Migräneattacken ebenfalls vorbeugen kann.
8. Nährstoffe überprüfen lassen
Ein ärztlicher Check kann sinnvoll sein.
Ein Beispiel:
Magnesium spielt eine wichtige Rolle für das Nervensystem. Ein Mangel kann Migräne begünstigen.
Häufig eingesetzte Nahrungsergänzungen bei Migräne sind unter anderem:
- Magnesium
- Vitamin B2
- Coenzym Q10
Medizinische Behandlung von Migräne
Neben Lebensstilmaßnahmen gibt es auch medizinische Möglichkeiten zur Migräneprophylaxe.
Dazu gehören unter anderem:
- Betablocker
- Kalziumantagonisten
- bestimmte Antidepressiva
- Antiepileptika
Außerdem gibt es moderne Antikörpertherapien, die speziell zur Migräneprophylaxe entwickelt wurden.
Neu in Deutschland sind auch sogenannte Gepante. Diese Medikamente blockieren das CGRP-Protein, das bei Migräne Entzündungen und Schmerzen fördert – allerdings ohne die Gefäße zu verengen, wie es bei Triptanen der Fall ist.
Sprich darüber am besten mit deiner Neurologin oder deinem Neurologen.
Was tun bei einer akuten Migräneattacke – ohne Medikamente?
Manchmal helfen auch einfache Maßnahmen, besonders wenn sie frühzeitig angewendet werden.
Zum Beispiel:
- Bildschirm und grelles Licht meiden
- Lärm reduzieren
- dich in einen ruhigen Raum zurückziehen
- kalte Umschläge auf Stirn und Nacken legen
- etwas Minzöl auftragen
- Gesicht oder Kopf kurz unter kaltes Wasser halten
Das kann helfen, die Gefäße zu verengen und Schmerzen zu lindern.
Auch Wechselduschen außerhalb der Schmerzphasen können helfen, die Gefäße zu trainieren.
Manchen Betroffenen hilft außerdem Espresso mit einem Teelöffel Zitronensaft, wenn er früh genug getrunken wird.
Ein möglicher Auslöser von Kopfschmerzen sind Triggerpunkte in der Muskulatur.
Das sind verhärtete Muskelpunkte, die Nerven und Blutgefäße reizen können.
Eine gezielte Triggerpunkttherapie kann helfen:
- Muskelverspannungen zu lösen
- Schmerzen zu reduzieren
- Kopfschmerzattacken seltener auftreten zu lassen
Du siehst:
Bei Migräne kannst du deutlich mehr tun, als nur eine Ibuprofen oder ein Triptan einzunehmen.
Und wenn du doch einmal ein Medikament brauchst, kannst du es ohne schlechtes Gewissen nehmen, solange du verantwortungsvoll damit umgehst.
Als Faustregel gilt:
Schmerzmittel nicht an mehr als 10 Tagen pro Monat einnehmen, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden.
Wenn du unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidest und nach einer zusätzlichen Behandlungsmöglichkeit suchst, kann eine Triggerpunkttherapie eine sinnvolle Unterstützung sein.
Hier kannst du direkt einen Termin buchen:
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